Ein wichtiger Punkt, auf den die Egreteaus stolz sind, ist die Tatsache, dass die gesamte Destillation im eigenen Haus stattfindet. Während unseres Besuchs brummte sogar die Brennblase. Sie betreiben zwei gasbetriebene Brennblasen mit einem Fassungsvermögen von je 25 Hektolitern und beginnen im Dezember mit der Destillation. Fins Bois wird zuerst destilliert, dann folgt der Borderies. Außerdem wird darauf geachtet, dass die Weine von Fins Bois getrennt destilliert werden: die nördlicheren Weine vom Kalksteinterroir werden zuerst destilliert, gefolgt von den Weinen von den Lehmböden rund um das Weingut.
Destillation mit oder ohne Hefe: Da 80-90% ihrer Produktion an größere Cognac Häuser verkauft werden, passen sie ihre Methoden entsprechend an. Martell zum Beispiel verlangt eine Destillation ohne Trub, während Hennessy und Grand Marnier eine gewisse Flexibilität zulassen. Für ihre eigenen, auf dem Weingut abgefüllten Cognacs bevorzugen Hélène und Ludovic die Destillation mit Hefe, was ihnen zusätzliche Reichhaltigkeit und Komplexität verleiht.
Kellertyp: Die Kellerei entspricht den modernen Standards und ist daher ein relativ trockener Keller. Dadurch wird eine konstante Umgebung für die Reifung gewährleistet, mit dem Ziel, den nuancierten Charakter ihrer Branntweine zur Geltung zu bringen, ohne die Verdunstung oder feuchte Einflüsse übermäßig zu betonen. Ludovic fügt hinzu: "Unser modern gebauter Lagerkeller profitiert von einem Unterflur-Hygrometriesystem, da wir unter den Fässern auf die dünne Kalksteinschicht des nackten Bodens zurückgreifen, die das ganze Jahr über eine gute Hygrometrie und somit einen nicht austrocknenden Keller gewährleistet." In der Charente wird viel über trockene und feuchte Keller gesprochen, aber interessanterweise hat Hélène klargestellt, dass ein Keller, der den aktuellen Normen entspricht, fast standardmäßig ein trockener Keller ist. Jedenfalls passt das gut zu ihrem Eau-de-vie und ihrem Reifungsstil.
Fässer: Jedes der 350 bis 400 Liter fassenden Fässer stammt aus der Tonnellerie Navarre und der Tonnellerie Loureiro und besteht aus feinkörniger Eiche mit überwiegend leichtem Toast - Egreteaus bevorzugte Rebsorte - sowie hier und da etwas mittlerem Toast. Es gibt zwar keine strenge Formel, aber man ist der Meinung, dass ein Fass in den ersten fünf Jahren der Nutzung viel zu bieten hat - und dank des leichten Toasting-Niveaus einen subtilen Holzeinfluss vermittelt - danach dient das Fass eher als Gefäß für die allmähliche Oxidation und Reifung. Das Eichenholz ist zwar enorm wichtig, wird aber mit Bedacht und Fingerspitzengefühl eingesetzt. Als wir das gesamte Sortiment verkosteten, spürten wir die Subtilität und Nuanciertheit dieser Eichenpolitik. Die einzige Ausnahme ist der Father's Blend, aber dazu weiter unten mehr.